Eva Szepesi ist 12 Jahre alt, als sie allein in einem Viehwaggon ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert wird. Als sie nach dem Krieg wieder nachhause kommt, sind alle ihre Familienmitglieder tot. Nur ein Onkel hat überlebt und nimmt sie bei sich auf. Mit über 90 Jahren hat sie jetzt ein buntes Kinderbuch geschrieben, in dem sie ihre Lebensgeschichte erzählt. Es soll Kindern und Jugendlichen zeigen, was damals passiert ist und nie wieder passieren darf. Wir wollten Eva unbedingt kennenlernen und haben sie in Frankfurt besucht. Ein Interview von Emma und Helena
josefine: Frau Szepesi, Sie haben letztes Jahr (2025) das Kinderbuch "Ich war Eva Diamant" herausgebracht. Darin erzählen Sie von Ihrer Kindheit und wie Sie als jüdisches Kind den Holocaust erlebt und überlebt haben. Wir haben uns das Buch gut angesehen und fanden es so interessant, dass wir den Wunsch hatten, sie persönlich kennenzulernen. Schön, dass sie sich heute Zeit für uns genommen haben. Wie kam es eigentlich zu dem Kinderbuch?
Szepesi: Es war immer mein Traum, ein Kinderbuch zu machen. Denn, als ich aus dem Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau zurückgekommen bin, nachdem wir am 27. Januar 1945 befreit worden waren, habe ich nichts und niemanden mehr zuhause vorgefunden. Wir haben etwa 20 Minuten von Budapest entfernt gewohnt. Ich hatte die Hoffnung gehabt, meine Mutter würde mich nach der Befreiung dort erwarten. Aber es war nichts mehr da. Noch nicht einmal ein Andenken an meine Mutter war übrig. Glücklicherweise hatte eine frühere Nachbarin wenigstens unsere Fotos. Das ist alles, was ich habe, ein paar Fotos. Ein Onkel, der Bruder meines Vaters, war der Einzige, der überlebt hat mit seiner Frau. Sonst hatte ich niemanden mehr. Wir waren eine große Familie, aber niemand hat mehr gelebt. Mein Onkel hat mich dann zu sich genommen.
Eva Szepesi im Kreise ihrer Familie mit Bruder und Eltern. Nach dem Krieg war nur noch sie als einzige am Leben (Foto: Privat)
Und natürlich hatte ich wie jedes Kind wunderschöne Bilderbücher. Auch die waren nicht mehr da. Aber ich brauchte damals auch kein Kinderbuch mehr. Ich war nach der Befreiung zwar erst 12 Jahre alt. Aber die Zeit im Konzentrationslager hat mich schnell erwachsen werden lassen, ich war kein Kind mehr. Die Zeit für Kinderbücher ist mir vom Krieg genommen worden. Ja, und jetzt, wo ich älter bin, da habe ich irgendwie gedacht, ich möchte so gerne ein Kinderbuch machen.
josefine: Sie sprechen vor jungen Menschen in Schulen, auf Veranstaltungen, vor dem Bundestag. Heute hier mit uns. Was bedeutet es für Sie, Ihre Erinnerungen immer wieder zu teilen? Was gibt Ihnen mit über 90 Jahren die Kraft, das immer wieder zu tun?
Szepesi: Ich spreche für die, die nicht mehr sprechen können. Das gibt mir die Kraft. Für meine Mutter, meinen Vater, meinen Bruder, meine ganze Familie und viele unschuldige Menschen, die ermordet worden sind. Sie können nicht mehr sprechen, sie sind stumm gemacht worden. Für sie spreche ich, und dass nicht vergessen wird, was damals geschehen ist.
josefine: Sie haben 50 Jahre lang niemanden von ihrer Lebensgeschichte erzählt. Erst auf einer Fahrt nach Auschwitz sind sie mit Jugendlichen erstmals darüber ins Gespräch gekommen. Warum haben sie so lange nicht darüber gesprochen und warum haben sie sich dann doch entschieden, öffentlich zu reden und in Schulen zu gehen?
Szepesi: Genau wie viele andere Überlebende habe ich lange Zeit nicht darüber gesprochen, 50 Jahre lang. Es war ein Schutz für meine eigenen Kinder, ich wollte sie nicht damit belasten. Und ich wollte nicht darüber sprechen, weil ich alles verdrängt habe, wie alle anderen auch. Man hat sich geschämt, man hat uns damals erniedrigt, man musste sich nackt ausziehen und alles. Aber irgendwann kommt das natürlich wieder hoch. Irgendwann geht das nicht weiter, man muss darüber sprechen.
josefine: Und wann war dieser Moment für Sie, wo Sie beschlossen haben, darüber zu reden?
Szepesi: Im Jahr 1995 war der 50. Gedenktag zur Befreiung von Auschwitz. Und da bin ich eingeladen worden, zur Gedenkveranstaltung nach Auschwitz zu kommen. Ich wollte davon anfangs nichts hören. Ich habe gedacht, ich möchte nicht noch einmal nach Auschwitz gehen. Meine beiden Töchter wussten, dass ich in Auschwitz war, dass ich dort meine Eltern verloren habe. Meine Töchter hatten keine Omas, wie alle anderen Kinder, keine Tanten, keine Verwandten, niemanden. Und sie haben trotzdem zu mir gesagt: Komm, wir werden zusammen dorthin fliegen. Ich wollte nicht, aber dann habe ich mich überreden lassen.
Und am Abend, nach den ganzen Feierlichkeiten, sind wir zusammen in einem Hotelzimmer mit vielen Jugendlichen gewesen. Die haben auf dem Boden gesessen, im Schneidersitz. Und der Leiter der Zentralwohlfahrtsstelle hat zu mir gesagt: Frau Szepesi, erzählen Sie mal etwas von ihrer Kindheit. Und ich habe gesagt: Ich soll etwas erzählen? Ich habe noch nie was erzählt. Und ich weiß nicht, da habe ich irgendwie angefangen, zu erzählen. Ich weiss noch, ich habe an der Bettkante gesessen. Ich habe einfach angefangen, und da ist es aus mir herausgesprudelt. Da habe ich alles erzählt, das erste mal. Danach kamen meine beiden Töchter zu mir, haben mich in den Arm genommen und gesagt, dass sie jetzt das erste mal meine ganze Geschichte gehört haben.
josefine: Gibt es Situationen von damals, wo es Ihnen heute immer noch schwerfällt, darüber zu erzählen?
Szepesi: Was mir immer noch sehr weh tut, ist der Abschied von meiner Mutter und meinem kleinen Bruder. In der Slowakei, wo meine Mutter herkam, wurden die Juden schon 1942 in die Lager deportiert. Die Cousine Piri von meiner Mutter floh dann zu uns nach Budapest. Als die Deutschen dann im März 1944 in Ungarn einmaschierten, sollte ich dann mit Piri in Slowakei fliehen. Meine Mutter wollte mich dadurch vor der Deportation schützen und das war natürlich sehr schwer für sie. Aber sie hat mir das nicht erklärt. Sie hat nur gesagt, dass ich eine Reise mache und sie mit meinem Bruder ganz bald nachkommen wird. Dieser Abschied war für mich das schwerste, denn ihr standen Tränen in den Augen und ich wusste nicht warum, schließlich wollten sie doch auch bald nachkommen. Und meine Mutter hat mich sehr gedrückt, ganz schlimm, so dass ich keine Luft mehr bekam. Das war ein Abschied, und das hat meine Mutter, glaube ich, gespürt. Aber ich wusste es damals nicht.
Eva Szepesi als Kind, damals noch Eva Diamant (Foto: Privat)
josefine: Wenn Sie an Ihre Kindheit denken, bevor sich alles verändert hat, welche Erinnerungen begleiten Sie bis heute am stärksten?
Szepesi: Woran ich mich tatsächlich am stärksten erinnere und was ich als schlimm empfand, war, als meine besten Freunde mich plötzlich ausgegrenzt und beleidigt haben, weil sie aufgehetzt wurden. Die wollten gar nicht, aber sie waren aufgehetzt gegen uns Juden. Ich erinnere mich besonders an eine Szene: Das war vor unserem Haus, wo ein Brunnen war, wo wir immer zusammen gespielt haben. Und als ich einmal an einem Nachmittag rausgegangen bin, haben sie dort unter dem Wasserstrahl ein Stück blutiges Fleisch gewaschen. Als sie mich entdeckten, haben sie zur mir herübergerufen: Na, du Saujüdin. Ich dachte, was ist denn mit denen los? Und sie riefen weiter: Komm rüber, wir spritzen dich ein bisschen voll mit Blut. Und übrigens, von deinem Vater wird auch bald das Blut so fließen. Also, diese Erinnerung ist mir immer geblieben.
josefine: Wann haben Sie zum ersten Mal gespürt, dass sich Ihr Leben grundlegend verändern könnte, dass etwas Bedrohliches auf sie zukommt?
Szepesi: Als die Rassengesetze kamen und die Beleidigungen zunahmen. Meine Mutter hat mir nichts erzählt und hat immer mit dieser Tante gesprochen. Wenn ich ins Zimmer kam, dann haben sie aufgehört mit den Gesprächen. Aber ich habe es natürlich gespürt. Das war eine schwere Zeit. Wir mussten die Haustiere abgeben, das Radio abgeben, ich durfte nicht mehr im Chor teilnehmen, ich durfte nicht ins Kino, in die Schlittschuhbahn dürfte ich nicht mehr reingehen und im Park, auf den Bänken, durfte ich mich nicht mehr hinsetzen.
josefine: Gibt es einen Moment, der das besonders gut zeigt?
Szepesi: Wir waren damals fünf jüdische Mädchen in der Klasse. Und die Lehrerin sagte eines Morgens, eine neue Lehrerin, wir sollten mit den Schülerinnen in der letzten Reihe tauschen. Die sollten unseren Platz vorn einnehmen und wir sollten schön nach hinten gehen. Und eines von den jüdischen Mädchen hat gefragt: Frau Lehrerin, warum sollen wir das machen? Da hat sie gesagt, du stinkiges jüdisches Mädchen, du hast hier nichts zu fragen, du musst machen, was ich sage.
Helena: Sie waren damals zwölf Jahre alt. Wie hat man versucht, Ihnen zu erklären, was da gerade passiert?
Szepesi: Ich war noch jünger, mit zwölf Jahren war ich schon in Auschwitz. Man konnte es nicht erklären. Ich war schockiert, ich habe es nicht verstanden, denn ich hatte eine sehr schöne und sehr behütete, wunderschöne Kindheit mit sehr viel Liebe. Zusammen mit meinem kleinen Bruder Tamás. Und plötzlich ist ein Tag auf den anderen alles anders geworden. Aber meine Mutter hat mir nichts erklärt, sie wollte mich schützen. Auch mein Vater hat gesagt, diese Jungs, wo ich erzählt habe, dass das Blut von meinem Vater fließen wird: "Eva, deine besten Freunde, das tut weh, aber sie haben keine Schuld. Jemand hat sie aufgehetzt gegen uns. Diese Freunde haben gar keine Schuld, weil sie wissen nicht, was sie sagen". Daran kann ich mich erinnern. Also, ich habe gar nicht verstanden, was eigentlich war, warum es plötzlich anders geworden ist. Ich war schockiert, aber es war so. Man musste das einfach hinnehmen.
Eva Szepesi mit ihrem Vater vor dem eigenen Laden (Foto: "Ich war Eva Diamant", Ariella-Verlag, Illustration: Stephanie Lunkewitz)
josefine: Bis zu dem Zeitpunkt, wo es dann nach Auschwitz ging, wussten sie nichts, was sie da erwartet. Oder was dort alles passiert?
Szepesi: Überhaupt nicht. Ich habe gewartet, dass meine Mutter mit meinem Bruder nachkommt. Und ich habe zuerst gedacht, ich fahre auf Urlaub zu den Großeltern, wo ich jedes Jahr als kleines Kind war. Die sind aber schon zwei Jahre vorher deportiert und ermordet worden. Aber das habe ich erst nach dem Krieg erfahren, also nach der Befreiung.
josefine: Welche Stimmung herrschte in ihrer Familie und unter ihren Freunden, bevor sie deportiert wurden? Wusste jemand damals, was bevorsteht? Oder hatte man Hoffnung, dass alles wieder besser werden wird?
Szepesi: Die Hoffnung hatte ich gehabt, dass es wieder besser wird. Sogar in Auschwitz habe ich die Hoffnung gehabt, ich muss nach Hause. Aber es wurde immer schlimmer
josefine: Wie kann man sich die Stimmung in der Familie vorstellen, bevor sie deportiert wurden?
Szepesi: Eine sehr stille und traurige Stimmung. Und ein Kind spürt das sehr. Aber ich habe nichts gesagt. Ich habe es gespürt mit meinem Bruder zusammen. Er war jünger, vier Jahre jünger.
josefine: Gab es in dieser Zeit Menschen oder Momente, die Ihnen Hoffnung gegeben haben?
Szepesi: Ja, es war auch bei der Deportation nach Auschwitz. Von uns wusste keiner, was das ist, wo wir sind, ich auch nicht. Ich war ganz allein mit fremden Menschen. Aber, eine Frau hat mich an der Hand genommen, als wir ausgestiegen sind in Auschwitz-Birkenau, und hat versucht, mich immer neben sich zu halten. Auch auf der Pritsche, wo ich schlafen sollte, wenn ich konnte. Diese Frau, Stella, wollte immer, dass ich neben ihr liege. Ihre Tochter wurde erschossen. Die beiden hatten sich auf der Flucht in einem Keller versteckt. Aber man hat sie verraten, rausgeholt und vor Stellas Augen hat man ihre Tochter erschossen. Da hat die Frau die Soldaten darum gebeten, sie sollen das auch mit ihr machen. Doch die haben sie nur ausgelacht, zum Bahnhof gebracht und in denselben Viehwaggon reingeworfen, wo ich schon war. Dort hat sie mich gleich angenommen. So konnte sie weiterleben, indem sie mir geholfen hat. Sie war es, die mir geholfen hat. Ich habe Stella danach leider nie mehr gesehen. Wir suchen sie immer noch. Stella musste am 18.Januar 1945 mit auf den sogenannten Todesmarsch Richtung Westen.
josefine: Sie haben in Ihrer Rede im Bundestag gesagt: "Der Holocaust begann nicht mit Auschwitz, er begann mit Worten, er begann mit dem Schweigen und dem Wegschauen der Gesellschaft". Welche Worte meinen Sie konkret?
Szepesi: Ich habe in diesem Moment daran gedacht an Worte wie: Du Saujüdin, du bist nichts wert, geh weg von hier. Das war immer in meinem Kopf. Warum soll ich anders sein wie andere? Ich bin genauso.
josefine: Wenn Sie heute auf die Welt schauen, was macht Ihnen Sorgen und sehen Sie Entwicklungen, die Sie an früher erinnert?
Szepesi: Ja, wenn ich heute auf die Welt schaue, das macht mir schon Sorgen. Die Kriege, die Menschen, dieser große Hass, der herrscht. Und vor Schulen die Polizeiautos, wo auch meine Enkelkinder und Urenkelkinder hingehen, oder dass Studierende seit dem 7. Oktober Angst haben in ihre Universität zu gehen. Das macht mir schon Sorge.
josefine: Sie sagen auch immer wieder: "Wer schweigt, macht sich mitschuldig". Gibt es Situationen in der heutigen Zeit, in denen Sie das Gefühl haben, dass Menschen wieder wegsehen oder zu gleichgültig sind?
Szepesi: Ich erzähle Euch ein Beispiel: Mein Enkelsohn war mit anderen Jugendlichen in einer Chatgruppe. Und dort hat ein Mädchen ein Bild von der Lokomotive Thomas aus dieser bekannten Zeichentrickserie hineingestellt, das aber verändert worden war. So stand dort im Rauch "JEW JEW JEW, wir fahren mit der Eisenbahn, wer will mit nach Auschwitz fahren". Meinem Enkelsohn hat das natürlich wehgetan. Aber was viel schlimmer war: Niemand hat etwas gesagt. Wenn einer von den Jugendlichen in der Gruppe gesagt hätte, hört mal zu, dass gehört nicht hierher, das ist nicht lustig, da macht man keine Witze davon. Aber keiner hat etwas gesagt, alle haben geschwiegen. Also ich sage immer: Etwas sagen, nicht schweigen. Das ist wichtig, damit so etwas wie damals nie mehr passiert. Die Demokratie ist schon sehr, sehr wichtig. Ich habe in einem Land gelebt, wo keine Demokratie war. Ich kenne den Unterschied, was es bedeutet, wenn man überhaupt nichts sagen darf.
josefine: Was wünschen Sie sich, dass junge Menschen aus Ihren Erzählungen mitnehmen. Gibt es zum Beispiel etwas, das oft falsch verstanden wird, wenn man über den Holocaust redet?
Szepesi: Ich sage immer den Jugendlichen, auch in Schulen und auch Euch: Wenn ihr Ungerechtigkeit erlebt oder erfahrt, dem sofort entgegentreten, nicht schweigen. Und euch informieren, woher kommen die Quellen von irgendwelchen Aussagen. Nicht einfach alles glauben, was einer sagt oder im Internet schreibt. Und aufpassen auf die Demokratie, weil sie ist wirklich der größte Schatz, um frei zu sein. Und aufpassen, welche Partei man wählt, sich informieren, wie sie arbeiten.
josefine: Hat sich im Laufe der Jahre in den Gesprächen mit Schülern und Erwachsenen etwas verändert? Waren vielleicht die Fragen vor 20 Jahren anders als heute.
Szepesi: Ja, das hat sich geändert. Früher hat man mich mehr zu meiner Geschichte gefragt, wie war der Ablauf in einem Konzentrationslager, was gab es zu essen? Also solche Fragen. Und jetzt merkt man die Ängste der Jugendlichen, jetzt ist viel auch über Krieg und Flucht zu hören. Die Jugendlichen haben Angst, wie wird das sein, wie wird die Zukunft sein. Es sind auch viele Flüchtlinge, die mich fragen, weil ich ja auch geflohen bin.
Heute wollen viele Schüler und Jugendliche von mir wissen, was können wir tun, damit so etwas nie wieder passiert. Weil sie spüren, dass einfach die Situation auch politisch anders ist. Ich glaube, heutzutage machen die Jugendlichen sich mehr Sorge, dass sie was tun müssen, dass sie die Zeitzeugen der Zeitzeugen werden und aufpassen müssen. Ich habe sehr viele Briefe von Jugendlichen, die mir schreiben, sie werden unsere Geschichte als Zeitzeugen weitererzählen. Ich habe den Eindruck: Die denken nach, die denken jetzt, was vorher nicht war. Vorher haben sie nur zugehört. Das hat sich schon geändert in den letzten Jahren.
josefine: Es wird immer davon gesprochen, die junge Generation hätte die Verantwortung, dass so etwas wie damals nie wieder geschieht. Viele Jugendliche fühlen sich mit dieser Verantwortung überfordert und alleine gelassen. Was erwarten sie konkret von uns?
Szepesi: Ja, das einer dem anderen hilft, es keine Ausgrenzungen gibt und Mobbing. Einfach Verantwortung übernehmen. Ihr seid nicht schuldig, was damals passiert ist. Aber für die Zukunft habt ihr die Verantwortung, dass so etwas nie mehr passieren wird. Das ist für euch auch wichtig, für eure Zukunft.
"Gegen das Vergessen" schreibt Eva Szepesi in unser Zeitzeugen-Buch (Foto: Andreas Grote)
Aber genauso wichtig ist: Ohne Vergangenheit gibt es keine Zukunft. Also, wenn manche sagen, das ist schon so lange her, ich will mir das nicht schon wieder anhören. Umgekehrt sollte man denken: Man muss die Vergangenheit kennen, weil nur dann kann ich daraus lernen und für die Zukunft nachdenken. Wenn ich gar nichts weiß, dann kann man mir alles erzählen und dann passiert das, was die anderen wollen.
josefine: Frau Szepesi, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen und unsere Fragen beantwortet haben.
Szepesi: Danke, das habe ich gerne gemacht.
(Für die schriftliche Fassung wurde das Interview angepasst.)