Alle Fotos: Baobab Children Foundation

Weihnachten bei Baobab in Ghana

Die meisten Schüler an unserer Patenschule Baobab sind zwar auch Christen wie wir. Aber trotzdem feiern sie Weihnachten irgendwie anders.

Von Marie-Sophie Grote

In Ghanas Hauptstadt Accra sieht es Anfang Dezember schon recht weihnachtlich aus. Dort stehen in den Eingangs­ bereichen der grossen Shopping-Zentren riesige künstliche Tannenbäume, Händler verkaufen Weihnachtsmützen und man hört durch die Lautsprecher überall in der Stadt Lieder wie „Djingle Bells“. An den Fahrzeugen kleben Sticker mit Weihnachtsmotiven und auf den Plastikwasserbeuteln, aus denen die Menschen in Ghana sauberes Wasser trinken, sind kleine Weihnachtsmänner gedruckt. Frohe Weihnachten und ein frohes neues Jahr heißt es überall, auf Twi, der Sprache in Ghana: „Afehyia pa!“.

Aber in der Nähe des Ortes Kisi, wo die Baobab-Schule liegt, sieht es da­ gegen noch nicht sehr weihnachtlich aus, sondern so wie immer. Die Vorweihnachtszeit und den Advent gibt es hier nicht, auf dem Land bekommt man davon nicht viel mit. „Aber wir basteln vor Weihnachten immer etwas mit den Kindern wie Papiersterne oder ähnliches“, sagt die Schulleiterin Edith de Vos, die vor 18 Jahren die Baobab-Schule gegründet hat.

Am letzten Schultag vor den Winterferien haben dann alle Schülerinnen und Schüler der Baobab­ Schule ihre Weihnachtsfeier, auf der auch ein Theaterstück vorgespielt wird. „Es gibt bei uns im­ mer am Ende des Jahres, bevor die Schüler und Schülerinnen in ihre Dörfer gehen, Auszeichnungen aller Art“, sagt Edith de Vos. Auszeichnungen gibt es zum Beispiel für gutes Benehmen, für gute Leistungen im Unterricht, für Sozialverhalten, das Helfen auf der Farm, Helfen in der Küche usw. „Das sind praktisch die Weihnachtsgeschenke für die Kinder von Baobab“, sagt Frau de Vos. Und sie bekommen auch ihre Zeugnisse.

Bei der Weihnachtsfeier dürfen auch Omas, Eltern oder Tanten vorbeikommen. Ihnen zeigen die Schüler und Schülerinnen, was sie in den letzten Schulwochen hergestellt haben, zum Beispiel Schmuck, Stoffe, Kleider, Bilder, Möbel usw.

Dann gibt es das traditionelle Weihnachtsessen: es besteht aus Jollof-Reis, dazu gibt es Gemüse, ein Tomatenpüree, gekochten Reis und Hühnchen. Das Hühnchen ist für die Baobab-Schüler etwas sehr besonders, denn es ist der einzige Tag im Jahr, an dem wirklich alle Fleisch essen. Dazu gibt es Bisap, das ist ein kalter Hibiskus­Tee mit etwas Ingwer.


Die inklusive Baobab-Schule in Ghana - Partnerschule der St. Josefschule

Danach fahren über die Weihnachtsferien viele Kinder zu ihren Familien, meist werden sie von dem alten Bus abgeholt, der Baobab gehört. „In ihrem Dorf zu sein mit der großen Familie, Nächte lang in der Kirche zu singen und zu tanzen ­ das lieben sie“, sagt Edith de Vos.

Allerdings geht es nicht so besinnlich und ruhig zu wie bei uns in Deutschland, sondern wie es sich für die ghanaische Kultur gehört mit viel Tanz und Musik. Die Menschen gehen in der Weihnachtszeit oft in die Kirche, um dort stundenlang zu tanzen und zu singen. Die meisten
Lieder kommen aus England, weil die Engländer damals Ghana erobert hatten. Die Ghanaer singen aber auch einheimische Lieder und Gospelgesang, aber nichts, was bei uns in Deutschland bekannt wäre.


Eine Freiwilllige bastelt mit den Schülerinnen und Schülern von Baobab Weihnachtssterne

„Für manche Kinder müssen wir Essen für die ganzen Ferien mitgeben, weil sie zu Hause kein Essen haben oder zu wenig“, erklärt Edith de Vos. Es gibt aber auch Schüler, die wollen nicht nach Hause, da sie dort nichts und niemand erwartet. Diese Kinder bleiben bei Baobab und helfen dort auf der Farm mit, die ja auch über Weihnachten gepflegt werden muss. Dafür bekommen sie gutes Essen und Zuwendung von den Mitarbeitern, die bei Baobab auch in den Ferien aufpassen.

In Ghana ist die Bescherung am 25. Dezember, dann bekommen die Jungen und Mädchen meist ein oder zwei Kleidungsstücke oder ein Paar Schuhe, damit sie gut gekleidet in die Kirche gehen können. Aber für mehr reicht das Geld nicht.


Alice sitzt in der Küche mit einem Stern im Haar

Es gibt aber nicht so etwas wie Christkind oder Weihnachtsmann. Reichere Familien in Accra feiern wie in England am 25.12. und pa­cken Ge­schenke in Strümpfe, die aufgehängt und mit Geschenken gefüllt werden. Bei Baobab gibt es das nicht, dafür sind die Familien auf dem Land zu arm.

Erwachsene bekommen dort eher nützliche Sa­chen, meist einen Sack Reis, Öl oder Tomatenpüree in Dosen.

„Die Jugendlichen ziehen sich am 25.12. morgens fancy an und laufen auf der Straße rum mit schicken, allerdings sehr bil­ligen Sonnenbrillen“, erzählt Frau de Vos. Es wird ein riesiger Bambus-Ast aufgebaut, so ein bisschen wie ein Maibaum in Deutschland, und da klettern Jungs hoch und beeindrucken ihre Mädchen und andere Jungs mit akrobatischen Darstellungen. Die Lautsprecher stehen überall auf der Straße und es wird laute Musik gespielt und auf den Straßen getanzt. Die Jugendlichen lieben Hip Life, Hip Hop, High life music usw.


Adjei ist der Kunstlehrer bei Baobab und Künstler

Auch der in Ghana bekannte Künstler und Kunstlehrer bei Baobab, Adjei Sowah, feiert mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Accra Weihnachten. „Wir gehen zusammen in die Kirche und dann auf Party“, sagt er. Adjei war schon öfter noch Deutschland gereist, um hier seine Bilder auszustellen und den Schülerinnen der St. Josefschule in Workshops zu zeigen, wie man in Afrika malt. Wer weiss, vielleicht wird Adjei auch einmal Weihnachten in Deutschland miterleben.

(aus JOSEFine Dezember 2018)